Von Stromberg lernen heißt: Führung lernen

... das heißt natürlich, wie man es nicht macht!

Sicherlich kennen Sie noch Bernd Stromberg? Die Fernsehserie über den Ressortleiter Schadensregulierung M-Z einer großen deutschen Versicherung, der sich durch Ränkespiele auf Kosten seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hocharbeitet?

 

Er schafft es immer wieder, sich und andere in peinliche Situationen zu bringen. Für mich ist er ein gutes Beispiel für Führungsverhalten – zugegeben: ein Negativbeispiel. Von dem man lernen kann, wenn man sich damit auseinandersetzt.

 

Hier:

 

Wie wir uns in Überrumpelungssituationen am besten nicht verhalten:

Das obenstehende Foto ist aus einer Szene, in der er – inzwischen stellvertretender Abteilungsleiter – zu einer Gruppe von Mitarbeiterinnen dazukommt, von denen eine weint. Er ist freundlich, macht wie immer Witzchen und erkundigt sich dabei nach dem Grund für die Tränen. Die weinende Kollegin erzählt, dass sie einen Fehler gemacht und vom Abteilungsleiter eine Abmahnung erhalten habe. Die anderen Kolleginnen pflichten ihr bei, es sei nicht ihre Schuld, die Arbeit sei einfach nicht mehr zu schaffen, es werde gerade alles zu viel. Kurz: sie reden sich hinein, steigern sich gegenseitig und sind sich einig in dem Gefühl der ungerechten Behandlung. Und was macht Stromberg? Er solidarisiert sich und schlägt zunächst in die gleiche Kerbe:  "Ja, ja, der Herr Becker - unter aller Kanone. Da könnte ich mich jetzt wirklich drüber aufregen…"

 

 

 

Doch plötzlich wandelt sich das Blatt und er steht im Fokus: die Mitarbeiterinnen erwarten, dass er aktiv wird: "Wir haben uns auch schon gefragt, was man da machen kann..." Die Gestik und Mimik der ganzen Gruppe ist unmissverständlich.

Und jetzt wird es interessant! Stromberg versucht, sich herauszuwinden mit dem Hinweis, dass er auf alle Fälle anders (besser) zu den Kolleginnen sei als der Herr Becker. Und dann gibt er noch - um Oberwasser bemüht - einen allgemeinen guten Ratschlag "Die Ohren steifhalten", bevor er sich zurückzieht.

 

In was ist er da hineingeraten?

Stromberg wollte nett sein und geriet plötzlich unter Zugzwang. Sein gedankenloser Ausspruch gegen den Abteilungsleiter sollte Verständnis und Solidarität ausdrücken und er sollte seine eigenen Qualitäten in den Fokus rücken. Von den Mitarbeiterinnen wurde es jedoch als Ausdruck einer Unterstützung in seiner Rolle als Führungskraft gewertet. Nur ein Missverständnis – oder doch ein Führungsfehler?

 

Das kann Ihnen nie passieren? Ich sage: doch!

Auch in Ihrem Alltag können Sie in so eine überrumpelnde Situation geraten. Stellen Sie sich vor, Sie treffen auf Ihrem Weg durch die Firma auf einen weinenden Mitarbeiter, der von anderen getröstet wird. Laufen Sie einfach vorbei? Wahrscheinlich nicht – und schon sind Sie mitten drin.

 

Was war positiv an Strombergs Verhalten?

Ja, tatsächlich, einen Punkt gibt es: Stromberg hat das Weinen der Mitarbeiterin nicht ignoriert, er ist nicht einfach vorbeigelaufen. Immerhin!

Drei Tipps, wie es ansonsten besser geht: 

  1. Verhalten Sie sich loyal und bremsen Sie sich vor einer direkten Bewertung der Lage. Bedenken Sie: Sie kennen die Hintergründe nicht!
  2. Lösen Sie die Situation auf, indem Sie die Betroffene allein zu Ihnen ins Büro bitten. Dort drücken Sie Ihr persönliches Mitgefühl aus, ohne Ihrem Kollegen in den Rücken zu fallen. Das ist zugegeben nicht ganz einfach - aber möglich und notwendig!
  3. Sollten Sie wirklich sachlich begründet die Mitarbeiterin unterstützen wollen, dann setzen Sie sich ggf. mit dem Thema näher auseinander und sprechen Sie unter vier Augen mit Ihrem Leitungskollegen darüber. 

Zugegeben, das wäre nicht filmreif, sondern langweilig vernünftig gewesen.

 

 

Und wie ist es eigentlich im echten Leben, wenn Sie sich so verhalten wie im Film?

 

Sie verlieren Autorität, zeigen sich rückgratlos und nicht verlässlich. Passiert das immer wieder, führt es dazu, dass das Team sie nicht mehr ernst nehmen wird. Es entwickelt wahrscheinlich eine informelle Führung, also Kolleg*innen mit einem stets offenen Ohr, zu denen man geht, wenn man Probleme hat - weil man auf Sie ja nicht zählen kann.

– Und mal ehrlich: wollen Sie das wirklich?

 

Die ganze Stromberg-Szene finden Sie hier.

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