Mit Smalltalk gewinnen

 

Kennen Sie das? Sie gehen mal eben in die Teeküche Ihrer Abteilung, um Ihren Snack aus dem Kühlschrank zu holen. Eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter machen sich dort gerade selbst etwas zu essen. Sie hören von weitem, dass sich die beiden lebhaft unterhalten. Dann betreten Sie den Raum – und das Gespräch verstummt abrupt. Unangenehm, sehr unangenehm.

 

Wie kommen Sie jetzt bloß aus dieser peinlichen Situation heraus? Dafür haben Sie verschiedene Möglichkeiten:

 

 

1. Konfrontativ: Sie sprechen das plötzliche Schweigen an.

Womöglich machen Sie noch einen ironischen Scherz: "Sprechen Sie gerade über mich? Dann trifft es sich ja gut, dass ich gerade dazu komme." Wahrscheinlich sind die Mitarbeiterinnen peinlich berührt, wirken, als hätten Sie sie ertappt und wiegeln ab. Es steht im Raum, dass Sie die beiden bei etwas "Verbotenem" überrascht haben. Damit zeigen Sie sich überlegen, aber wahrscheinlich bleibt auf beiden Seiten ein unangenehmes Gefühl.

 

2.     Unnahbar: Sie überbrücken die Peinlichkeit mit einer fachlichen Frage.

"Ach, Frau Meier, wo ich Sie hier gerade sehe…" Okay, kann man machen. Auch damit zeigen Sie Souveränität und Größe. Allerdings suggerieren Sie damit auch, dass Sie der Mitarbeiterin die Pause nicht gönnen und dass Sie von ihr (und allen anderen) erwarten, ständig auskunftsbereit zu sein. Damit bleibt ein schaler Geschmack zurück. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden versuchen, Ihnen zukünftig in Pausen lieber aus dem Weg zu gehen.

 

 

(– Dazu noch ein Tipp: Falls Ihnen wirklich gerade in dem Moment, wo Sie die Person sehen, etwas Dringendes einfällt, dann sagen Sie es genauso und vertagen Sie es auf später: "Ach, Frau Meier, jetzt wo ich Sie sehe, fällt mir ein, dass wir noch über das Thema XY sprechen wollten. Bitte kommen Sie doch nach der Pause mal bei mir vorbei." Damit respektieren Sie die Pause.)

 

3.     Souverän: Ignorieren Sie das plötzliche Schweigen!

Stellen Sie stattdessen eine unverfängliche Frage im Smalltalk-Modus: über ein aktuelles Ereignis, über das (besondere) Wetter, über den kommenden/vergangenen Urlaub etc. Damit übergehen Sie den plötzlichen Gesprächsabbruch der beiden Mitarbeiterinnen. Sie verhindern also eine Verstärkung der sowieso schon peinlichen Situation. Und Sie zeigen Respekt, denn letztendlich geht es Sie nichts an, worüber die beiden sprechen. Denken Sie immer daran, dass es auch etwas sehr Privates sein könnte, das gar nichts mit Ihnen oder der Arbeit zu tun hat, das Sie aber auch nichts angeht. Und ein weiterer Vorteil ist, dass Sie dadurch Ihre menschliche Seite zeigen.

 

Erwarten Sie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht, in ein Gespräch hineingezogen zu werden!

Wenn das passiert, ist es natürlich schön. Allerdings verhindert oft ein falsch verstandener Respekt oder eine empfundene Spannung im Arbeitsverhältnis, mit Ihnen auf Smalltalk-Ebene zu kommunizieren. Deshalb sind Sie selbst aufgefordert, das lockere Gespräch zu fördern. Auch in unverfänglichen Situationen bleiben die Rollenbilder präsent. Deshalb liegt es an Ihnen als Führungskraft, die richtige Ebene für den Smalltalk zu wählen.

 

Glauben Sie nicht, in jedem Fall ein lockeres Gespräch starten zu müssen!

Bleiben Sie auf jeden Fall glaubhaft. Wenn Sie einen Smalltalk mit einer Frage eröffnen, obwohl Sie eigentlich keine Zeit für ein Gespräch oder vielleicht auch den Kopf voll mit anderen Themen haben, ist es atmosphärisch unangenehm, denn Sie strahlen eine doppelte Botschaft aus: ‚Ich bin nett und möchte mit Ihnen sprechen. Aber eigentlich habe ich kein Interesse an einem Gespräch.‘ Jetzt gibt es zwei Sorten von Menschen: die einen, die nur hören, was Sie gesagt haben und die Ihnen darauf antworten - und die Ihnen damit Ihre Energie (und Zeit) kosten. Diese fühlen sich brüskiert, wenn Sie das Gespräch schnell wieder abbrechen. Die andere Sorte von Menschen merkt sofort, dass Sie eigentlich kein Gespräch wollen. Diese werden verunsichert, wie sie reagieren sollen: mit einer einsilbigen Antwort oder direkt einfach schweigen? Mit Ihrer ambivalenten Haltung erzeugen Sie so eine merkwürdige und unnötige Spannung.

 

Sagen Sie nie gar nichts, sondern nutzen Sie zur Not Floskeln!

Ein Vorgesetzter, der in so einer oben beschriebenen Teeküchen-Situation gar nichts sagt, verunsichert die Mitarbeitenden. Er zeigt sich völlig unnahbar. Schließlich wissen die Anwesenden nicht, was in Ihnen vorgeht, sie können nur Vermutungen anstellen: ‚Hat mein Chef schlechte Laune? Ist er irgendwie sauer auf mich?‘

 

Um diesem gedanklichen Stochern im Nebel vorzubeugen, sagen Sie entweder ehrlich: "Ich bin gerade total in Gedanken und muss deshalb gerade mal stumm an Ihnen vorbeigehen." Oder Sie nutzen einfache rhetorische Floskeln wie "Heute ist aber echt mal wieder so ein Montag.", „Jetzt hab ich aber auch Hunger.“ oder "Jetzt freue ich mich aber auch sehr auf meinen Joghurt." Das ist zugegebenermaßen nicht sehr elegant, verhindert allerdings, dass die Menschen, die Sie vor sich haben, sich vollkommen ignoriert fühlen.

 

Vermeiden Sie peinliche Bemerkungen über Ihre Statussymbole!

Je nachdem, wie gut Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen, sollten Sie deren Situation und Persönlichkeit im Smalltalk berücksichtigen. Das Fußballspiel am Samstag der Lieblingsmannschaft ist eigentlich ein gutes Thema. Allerdings wird es in dem Moment unpassend, in dem Sie erwähnen "Von oben aus der Loge konnte ich das dritte Tor gar nicht richtig sehen." Bei Ihrem Gegenüber bleibt das Wort ‚Loge‘ hängen. Und vielleicht der Gedanke ‚Das könnte ich mir nie leisten.‘ Damit verweisen Sie den anderen auf seinen Platz und vergrößern die Distanz zwischen sich.

 

Smalltalk gehört zum Berufsleben dazu, er kann Brücken bauen. Wappnen Sie sich selbst dafür, dann können Sie die sich bietenden Chancen nutzen und Ihre menschliche Seite zeigen, ohne zu verkrampfen.

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