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Liebe Führungskräfte, bitte streichen Sie den Konjunktiv!

Das kennen wir alle: Manchmal geraten wir in Situationen, von denen wir überrumpelt werden und in denen wir anfangen, laut zu denken. Etwas in dem Sinne von: "Ich bin nicht sicher, aber wir könnten jetzt natürlich so vorgehen..." Oder "Eigentlich sollte man es jetzt nicht so machen..."

Wenn Sie so sprechen, drücken Sie Verunsicherung und Unentschlossenheit aus. Und Sie machen deutlich, dass Sie deshalb im Moment keine Verantwortung für eine Entscheidung übernehmen wollen.

Ein Ausdruck von Menschlichkeit...

Wenn Führungskräfte in einer überrumpelnden Situation so sprechen, wirken sie zunächst einmal sehr menschlich: Ist doch verständlich, dass die Chefin/ der Chef auch erst einmal überlegen und abwägen muss.

...oder schlechte Angewohnheit mit negativer Auswirkung?

Benutzt der Vorgesetzte den Konjunktiv allerdings immer wieder im Gespräch, dann erzeugt das bei den Mitarbeiter*innen Folgendes:

Verwirrung: "Was soll ich jetzt eigentlich machen?"

Enttäuschung: "Warum bekomme ich kein klares Feedback?"

Eigenmächtigkeit: "Dann mache ich eben, was ich für richtig halte."

Und die Alternative?

Was können Sie als Führungskraft tun, wenn Ihnen bewusst ist, dass Sie immer wieder den Konjunktiv nutzen?

1. Beobachten Sie sich selbst: Denken Sie immer wieder im Konjunktiv?

Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit einmal auf sich selbst: Überprüfen Sie, wie Sie Ihre Gedanken formen.  Allein die Sensibilisierung dafür wird schon zu einer ersten Veränderung führen, die auch Ihr Umfeld spüren wird.

2. Bitten Sie eine vertraute Person um Feedback zu Ihrer Sprechweise.

Fragen Sie Ihre Vertrauensperson, ob sie eine Zeit lang darauf achten und Ihnen zur verabredeten Zeit Rückmeldung geben kann, ob Sie unbewusst zum Konjunktiv neigen. Mit diesem Feedback können Sie selbst überprüfen, ob es Muster gibt: bestimmte Situationen, in denen Sie zum Konjunktiv wechseln.

3. Stellen Sie Alternativen für Ihre Standardsätze zusammen.

Zum Beispiel statt: Besser:
 "Das könnten Sie so machen."
  • "Das können Sie so machen." 
  • "Das finde ich gut. Machen Sie es so."
  • Oder, wenn Sie eher zweifeln: "Ihr Ansatz ist zwar möglich, es spricht aber aus meiner Sicht noch etwas dagegen. Sie sollten es zunächst noch weiter durchdenken." 

Es erfordert ein wenig Übung und klingt im ersten Moment ungewohnt. Allerdings werden Sie sehen: Es macht einen Unterschied! 

4. Für Situationen, in denen Sie unentschlossen sind:

Wenn Sie zu einer Sache noch keine Meinung haben, dann nehmen Sie Ihr Gegenüber doch bei Ihren Gedankengängen mit. Es mag banal klingen, aber: Bilden Sie längere Sätze. Schließen Sie dabei Erläuterungen ein, was in Ihnen vorgeht und warum Sie noch keinen festen Standpunkt haben. Wenn Sie Zeit haben, kann sich ein inspirierendes Gespräch mit Ihrem Gegenüber ergeben - das muss es aber nicht. Seien Sie klar: Sollten Sie keine Zeit haben, sagen Sie das auch so.

5. Soll Ihr Gegenüber entscheiden, sagen Sie es auch so.

Wenn Sie Ihrem Gegenüber die Entscheidung überlassen wollen und deshalb den Konjunktiv nutzen, dann sagen Sie es direkter. Zum Beispiel: "Das könnten Sie so machen. Diese Entscheidung überlasse ich Ihnen."  

Sie werden sehen: Ihr Team wird anders auf Sie reagieren und besser wissen, wo Sie stehen und was Ihre Meinung ist. So ermöglichen Sie auch klarere Nachfragen und sachlichere Diskussionen.

Bleiben Sie menschlich - und zeigen Sie Führungsstärke durch klare Sprache! Ihre Mitarbeiter*innen werden es Ihnen danken.

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